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Rund um Ultrà #News

2.10.20 - JUHU...
Daumendick! Er ist da - der neue BFU-Saisonrückblick mit dieses Mal 41 Gruppen auf 312 Seiten in Vollfarbe. 

❗️Wichtige Infos zum Versand:
Wir haben die Druckerei gedrängelt und schon eine Teillieferung erhalten. Wir arbeiten aktuell und die nächsten Tage die Vorbestellungen und die Bestellungen der Gruppen Stück für Stück ab. Bitte habt Verständnis, dass es zu unterschiedlichen Zustelltagen kommen wird. Ein einzelner Briefversand ist oftmals schneller da, als ein großes Paket, welche erst quer durch Deutschland durch Versandzentren läuft und auch paar Tage Laufzeit haben kann. Binnen der nächsten 7 Tage sollten wir den ersten Schwung geschafft haben

30.04.20 - BFU 4 & 5 (Nachdruck)
Aufgrund der hohen Nachfrage und des durchweg positiven Feedbacks auf den Nachdruck der längst ausverkauften BFU-Ausgaben 1 bis 3, haben wir kurzen Prozess gemacht und stellen euch nun die Nr. 4 und 5 zur Verfügung.  Wie gehabt, ohne jegliche Veränderungen. Eine einmalige Chance für alle jüngeren Personen die noch an Fanzines glauben und all das nachlesen wollen, was unsere Generation damals im Jahr 2007 bewegte.

Leseproben

POST AUS WARSCHAU

Die Veröffentlichung unseres „Freiheit für Maciek“-Buches als Hörbuch unter dem „Football was my first love“-Podcast, hat offenbar viele Hörer erreicht oder den ein oder anderen an das gelesene Buch erinnert, denn wir erhielten in den vergangenen Tagen ungewöhnlich viele Nachrichten, in denen uns die Frage gestellt wurde, wie denn die im Buch erzählte Geschichte letztlich ausgegangen ist. Ehrlich gesagt stand ich selbst auf dem Schlauch und hab kurzerhand die Fühler Richtung Warschau ausgestreckt. Die Antwort fiel relativ kurz aus. Noch immer ist das Verfahren in der Schwebe, weshalb die absolute Schweigepflicht weiterhin als oberstes Gebot gilt. Einige Stunden später blinkte mein Postfach erneut auf und ich fand darin einen von Maciek verfassten Text zur freien Verwendung.

Auf meine Nachfrage, ob wir ihm in irgendeiner Art und Weise helfen können, erhielt ich keine Antwort. Mittlerweile kenn ich ihn ja doch relativ gut und weiß, dass er im Leben niemals um Hilfe bitten sprich um den Kauf seiner Bücher betteln würde. Zudem sitzt der ein oder andere da draußen selbst bereits im Schlamassel oder sieht ihn zumindest auf sich zurollen.  Da der komplette Erlös jedes verkauften Buches an Maciek direkt und nicht an einen großen Konzern mit dem Anfangsbuchstaben A geht, hab ich diesen latenten Hinweis hier nun ohne vorherige Absprache untergebracht. In der Hoffnung, dass er die Schachtelsätze nicht versteht und mir nicht bei nächster Gelegenheit den Kopf abreißt ;)

Damit der Beitrag nicht ganz ohne alles daherkommt, haben wir für euch einen 15-seitigen Buchauszug hochgeladen.

https://www.blickfang-ultra.de/images/maciek_auflage_2_A5_einblick.pdf

Teilt den Link über eure Kanäle, Messenger-Gruppen usw. Ich hab bewusst zwei kuriose Stellen des Buches ausgewählt. Einerseits hat der Leser etwas zu lachen in dieser harten Zeit, andererseits relativiert sich dadurch auch die eigene Situation ein wenig.

Und natürlich muss ich auch so knallhart und ehrlich sagen: Die Übersetzung des Buches hat mich letztes Jahr einen wochenlang qualmenden Kopf gekostet, ich hab sehr viel Zeit und mein ganzes Herzblut in die Übersetzung gesteckt. Logisch freu ich mich da über jeden einzelnen Leser. - Mirko

 

Ein altes und früher sehr bekanntes Sprichwort in Polen lautet: Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähl ihm von deinen Plänen… Sollte hierin auch nur ein Fünkchen Wahrheit stecken (was bei den meisten Sprichwörtern ja der Fall ist), dann wäre ich die perfekte Inspirationsquelle für alle Stand-up-Comedians.

Es muss sich nicht zwingend um eine Spezialeinheit der Polizei handeln, die dein Leben und deine persönlichen Pläne von einem auf den anderen Tag ändert, indem sie an einem beliebigen Morgen deine Tür aufstößt, dich zu Boden reißt und dir Handschellen anlegt. Nein, da könnten sogar weitaus größere aber auch kleinere Vorfälle ausreichen.

Stellt euch vor, ihr öffnet einen Briefumschlag mit den Untersuchungsergebnissen eures Hausarztes, dessen Inhalt verrät, schnellstmöglich einige wichtige Dinge zu erledigen, um danach einfach bloß noch die letzten Tage/Wochen/Monate zu genießen. Es könnte sich genauso gut um einen banalen Akt eines Schiedsrichters, nämlich den Schlusspfiff, handeln, der gerade in einer unbedeutenden Partie in Nicaragua erfolgt ist und der du gebannt 90 Minuten auf Flashscore gefolgt bist. Leider hat der dieser vermeintlich unwichtige Pfiff just deinen kompletten Wettschein „zerschossen“ und sich damit mehrere tausend Euro in Luft aufgelöst.

Unendlich viele Beispiele ließen sich hier anführen, doch Lösungen existieren ebenso in unendlicher Anzahl. Gute und Schlechte. Wie und worüber ich gerade schreibe, mag sich banal anhören. Doch genau aus solchen Banalitäten besteht das Leben. Das Problem hierbei, getrieben von der Hetze des Lebens, sind es genau diese trivialen Dinge, auf die wir nicht achten… Lange Zeit hab ich geglaubt, stets überall dahin gehen zu können, wohin ich will. Nicht nur eine Stunde täglich, im immer gleichen Kreis, umrandet von meterhohen Mauern verziert mit einem dicken Geflecht aus Stacheldraht.
Als ich mich wieder in Freiheit befand, erschien mir alles neu und unbekannt. Stellt euch mal vor, dass selbst diese Tasten, die man an der Ampel drücken muss, damit es Grün wird, auf mich Eindruck hinterließen. Ich hatte keinen blassen Schimmer was das sein soll, Instagram oder dieses WhatsApp von dem alle reden. Dafür gefiel mir jede Frau, die auf der Straße meinen Weg kreuzte.

Ich habe ein Buch darüber geschrieben, wie es sich anfühlt seinem Schicksal über 40 Monate seines Lebens erlegen zu sein. Darüber, wie sich meine Freunde in dieser Zeit verhalten haben, meine damalige Verlobte und überhaupt einfach über alles was in mir vorging. Eins könnt ihr mir glauben, es  ist alles andere als leicht von 40 Monaten aus seinem Leben zu erzählen, die sich anfühlten wie auf einem fremden Planeten, inmitten von anderen dorthin entsandten „Aliens“…

Heute ist der 5. Jahrestag meiner Entlassung verstrichen. Bezogen auf die Vorwürfe und die Verhandlungen vor Gericht, hat sich seitdem so gut wie gar nichts geändert. Vertraut man den Aussagen meines Anwalts, kann das auch noch locker 2-3 Jahren dauern. So zumindest der Plan…

In diesen letzten fünf Jahren war ich bei fast jedem Spiel von Legia dabei. In Warschau und überall dort, wo unser Team eben antreten musste. Auf der Rückfahrt vom letzten Spiel in Gdansk, welches wir mit 3-1 gewannen, herrschte im Zug eine fantastische und ausgelassene Stimmung. Als wir uns so langsam unserer Hauptstadt näherten, holte eine Person alle um ihn herumsitzenden Leute auf den Boden Tatsachen zurück. „In einigen Tagen geht’s schon wieder los, meine Herren. Pokalspiel in Legnica“. Die Lust hielt sich beim Ausblick auf die Fahrt ehrlich gesagt in Grenzen. Niemand hatte groß Bock auf diese weite Anreise unter der Woche. Dabei gewesen wären wir natürlich trotzdem alle. Letztlich ist niemand gefahren, denn mit einem Mal brach eine Epidemie aus. Praktisch von einem auf den anderen Tag, erlag das Leben einer dramatischen Änderung. Sämtliche Pläne wurden unter den Trümmern begraben und ich verlor, aufgrund der drastischen Sparmaßnahmen zu denen unser Verein gezwungen war, meinen Job. Auf diese Art und Weise wurden ein weiteres Mal alle Pläne zunichte gemacht und der liebe Gott amüsierte sich.

Wenn mir mein Knastaufenthalt eines gelehrt hat, dann ist es zu kämpfen und sich niemals brechen zu lassen. Ich habe ebenso gelernt, die Sicht auf bestimmte Dinge selbst zu steuern und Sachen zu erkennen, die man auf Anhieb überhaupt nicht sieht. Auch wenn es übertrieben wäre, meine damalige Situation mit der aktuellen Lage zu vergleichen, so bleiben doch einige Parallelen. Wer sind meine wahren Freunde und wer sind diejenigen, die sich nur als meine Freunde ausgeben? So wie ich mich damals nach einem normalen Spaziergang gesehnt habe, oder nach einem langweiligen Heimspiel, so sehr fehlen uns allen momentan solche Sachen.  Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die plötzlich wichtig werden und die man beginnt zu vermissen. Das was gerade auf der Welt passiert, betrifft uns alle. Doch die inneren Werte und der Glaube bleiben in allen von uns erhalten. Niemals gibt man auf und schon gar nicht ergibt man sich seinem Schicksal.  Genau darüber habe ich in meinem Buch geschrieben und ich glaube, dass passt so gut in die heutige Zeit wie selten zuvor. Falls jemand von euch einen Funken Optimismus braucht und einen Anstoß, um an das Gute zu glauben, dann werdet ihr in meinem Buch fündig.  Es wird euch helfen, darauf gebe ich mein Wort!
Ich grüße an dieser Stelle all meine (auch zukünftigen) Leser in Deutschland. Hütet euch vor Corona. Es hat mich damals in den Knast gebracht (Korona = Krone, im polnischen ist damit der Kronzeuge gemeint – Anm. d. Ü.) und jetzt für den Verlust meines Arbeitsplatzes und den damit verbundenen Problemen gesorgt…

 

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Solidarität ist unsere Waffe

Das ist ein Post für diejenigen, die als Maßnahme gegen die Verbreitung des Corona-Virus zu Hause zu bleiben. Sei es, weil sie unter Quarantäne gestellt wurden oder einfach, weil es ihnen ernst ist und sie an andere denken.

Hier findet ihr einen Download mit Lesestoff aus Italien, 34 Gruppen, die in den letzten 50 Jahre Geschichte geschrieben haben. Dazu ein kleines Graffiti-Spezial. https://www.blickfang-ultra.de/images/Sammelmappe3.pdf

Ursprünglich war es ein Druck in Kleinstauflage für Freunde und Bekannte und ist restlos vergriffen. Aber im Moment ist es das Beste, was mir als Beitrag einfällt um die Stunden in der Wohnung (hoffentlich) etwas erträglicher zu machen.

Der Grund ist auch ein persönlicher. In meiner engsten Familie gibt es drei Menschen, die direkt oder indirekt zur Covid-19-Risikogruppe zählen. Der Jüngste ist vier Jahre alt, spielt gerne Lego und sorgt im Stadion für Lacher, wenn er beim Blick in Heim- oder Gästeblock in „Dorfultras“ und „richtige Ultras“ kategorisiert. Im Moment hängt gerade mal wieder mit Atemproblemen am Inhalator. Business As Usual, passiert leider alle paar Monate, wir kommen damit klar und mussten deswegen auch nur ein Mal (beim ersten Mal) ins Krankenhaus. Allerdings kann es eben doch sein, dass ich mich im schlimmsten aller Fälle mit ihm in den nächsten Wochen in der Notaufnahme wiederfinde.

Covid-19 bedeutet nämlich, es wird potentiell eng. Und zwar an dem Punkt, an dem die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen um die neu angekommen Notfälle zu versorgen. Dann muss ein Arzt oder eine Ärztin entscheiden, ob jemand mit behandelt wird und eine Überlebenschance zugestanden bekommt oder dem Tod geweiht ist.

Die Gegenmaßnahme ist ziemlich simpel: Ausbreitung verlangsamen, damit die schweren Fälle nach und nach im Krankenhaus versorgt werden können. Deshalb geschlossene Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, deshalb geschlossene Geschäfte. Kann man natürlich ignorieren, sein Leben weiterleben und unter Leute gehen. Noch ein Mal in den Club, bevor er schließen muss. Noch ein Mal ins Café, solange die Sonne scheint.

Die Leute, die das machen werden wohl eher nicht sterben. Sondern „nur“ die Infektionsrate erhöhen. Sterben werden die, die zur Risikogruppe zählen. Weil eben kein Bett auf der Intensivstation mehr frei ist. Diese Grafik zeigt das ziemlich deutlich.

https://www.faz.net/2.1652/corona-eindaemmen-krankenhaeuser-vor-kollaps-bewahren-16681824.html
 
Wer ein Beispiel braucht, wen es treffen könnte, sobald die rote Linie überschritten ist: Eltern, bzw. Großeltern. Nicht nur Covid-Infizierte, sondern auch Menschen mit z.B. Immunschwäche. Oder Unfallopfer. Oder eben Kinder mit Asthma.

Ich will hier nicht den Belehrer spielen, ich hab selbst lange genug gebraucht bis mir die Tragweite klar wurde. Am letzten Spieltag war ich auch noch in einem ausverkauften Stadion. Die Chance, tatsächlich mit dem Kleinen in der Notaufnahme zu landen ist imho geringer als z.B. bei Krebskranken. Ich bin in der privilegierten Lage, vom Home Office aus arbeiten zu können und muss mir keine Existenzängste machen. Da werden in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten noch andere Menschen Solidarität benötigen…

Einige Gruppen bereits gezeigt, was gesellschaftliche Verantwortung bedeutet (Props nach München, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund, Aachen, etc – die vollständige Liste ist online zu finden). Aber am Ende liegt es am Verhalten von jedem Einzelnen… Daher dieses Angebot. Danke fürs Drinbleiben.

 

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